„Die Prävention von Alkoholmissbrauch ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung, die wir als DOSB unterstützen möchten.“

Frau Rücker, Sie sind aktive Tennisspielerin. Was ist denn Ihr Lieblingsgetränk beim Sport?

Am liebsten Wasser oder auch mal isotonische Sportgetränke.

Der DOSB ist Teil des Aktionsbündnis` „Alkoholfrei Sport genießen“. Warum ist Ihnen das wichtig?

Rund 70 Prozent aller jungen Menschen in Deutschland sind irgendwann einmal in einem unserer Sportvereine aktiv. Wir haben also eine große gesellschaftliche Verantwortung. Gemeinsam mit den anderen beteiligten Verbänden und der BZgA wollen wir vor allem über die Risiken von übermäßigem Alkoholkonsum aufklären und für einen verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol werben. Dafür eignet sich der Sport hervorragend – zu viel Alkohol mindert die Leistungsfähigkeit und wirkt sich negativ auf die Gesundheit aus. Und wir können über unsere Vereine sehr viele Menschen erreichen.

Ein verantwortungsvoller Umgang mit Alkohol im Verein – wie könnte so etwas aussehen?

Besonders wichtig ist uns, Kinder und Jugendliche früh zu erreichen und alle Verantwortungsträger frühzeitig für dieses Thema zu sensibilisieren. Wir möchten möglichst viele Menschen erreichen und freuen uns über alle, die diese Aktion bei sich im Sportverein oder in der Sportgruppe aufgreifen. Auch an dieser Stelle sind tausende Ehrenamtliche aktiv. Unterstützung für die Vereine gibt es in Form einer kostenlosen Aktionsbox, die bei der BZgA bestellt werden kann.

Was können Vereine mit den Aktionsboxen erreichen?

Wir möchten aufzeigen, dass es auch sehr gute Alternativen gibt zu alkoholischen Getränken – auch bei Vereinsfesten. Man kann z.B. alkoholfreie Cocktails anbieten oder im Winter ein alkoholfreies Heißgetränk. Die Boxen enthalten u.a. wiederverwendbare Trinkbecher, Rezepthefte für alkoholfreie Cocktails, Getränkeuntersetzer und vieles mehr, natürlich auch Infomaterial. Ziel der Aktionsboxen ist es, alle Vereinsmitglieder zu erreichen und Aufmerksamkeit für das Thema zu erzeugen.

Braucht es dazu nicht in erster Linie Vorbilder im Verein?

Die Rolle der erwachsenen Bezugspersonen ist in der Tat nicht zu unterschätzen. Gerade Trainerinnen und Trainer oder Betreuerinnen und Betreuer oder auch erwachsene Sportlerinnen und Sportler sind neben den Eltern solche wichtigen Bezugspersonen. Und natürlich beobachten Kinder und Jugendliche, wie sie mit Alkohol umgehen. Zum Glück ist in den vergangenen Jahren bereits ein hohes Bewusstsein entstanden, dass man einer C-Jugend keinen Kasten Bier in die Kabine stellt, auch wenn sie den Titel geholt hat.

Aber einen Titel sollte man doch feiern können….

Natürlich kann gefeiert werden. Es geht ja auch nicht darum, Alkohol komplett zu verbieten. Das heißt nicht, dass im Sport nicht gefeiert werden kann. Es geht einfach darum, dass Kindern und Jugendlichen vorgelebt wird, dass man mit Alkohol verantwortungsvoll umgehen sollte.

Welche Rolle kann der DOSB in der Weiterentwicklung dieses Themas einnehmen?

Die Prävention von Alkoholmissbrauch ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung, die wir als DOSB unterstützen möchten. Durch das Aktionsbündnis „Alkoholfrei Sport genießen“ wollen wir zum einen mithilfe der vielen engagierten Trainerinnen und Trainern sowie Betreuerinnen und Betreuern ein Bewusstsein in den Sportvereinen und -gruppen vor Ort schaffen. Darüber hinaus wollen wir auch die kritische Auseinandersetzung mit dem Konsum von Alkohol in die gesellschaftliche Debatte tragen. Da sehen wir uns als Dachorganisation des organisierten Sports in Deutschland auch in der Verantwortung. 

Vielen Dank an Frau Rücker für das Interview!