Zur Person

Nia Künzer geboren 1980 in Botswana, aufgewachsen in Wetzlar, schoss 2003 im Finale der Frauenfußball-WM das entscheidende Tor und sicherte ihrer Mannschaft dadurch den Weltmeistertitel. Mit ihrem Stammverein 1. FFC Frankfurt gewann sie sieben deutsche Meistertitel, sieben Pokalsiege und drei Mal den UEFA Women's Cup (heute UEFA Women's Champions League). In Folge ihrer vier Kreuzbandrisse beendete Künzer 2008 ihre aktive Karriere. Aus der Nationalmannschaft war sie bereits 2006 zurückgetreten. Heute nutzt die Diplompädagogin ihre Popularität, um sich für Kinder zu engagieren. Sie arbeitet im hessischen Innenministerium und ist u.a. Botschafterin der BZgA-Kampagne „Kinder stark machen“.

Interview mit Nia Künzer

Nia, Du bist ja seit langer Zeit als ARD-Expertin für den Frauenfußball tätig. Auch im Sommer bist Du in dieser Rolle bei der Europameisterschaft in den Niederlanden dabei. Was meinst Du – können die Fans auf einen weiteren Titel für unser Team hoffen?

Deutschland hat das Turnier insgesamt schon acht Mal gewonnen. Aktuell ist Deutschland Titelverteidiger. So gibt es natürlich schon eine gewisse Erwartungshaltung. Auch wenn bei jedem Turnier eine neu zusammengestellte Mannschaft antritt. Mit Steffi Jones gibt es dieses Jahr zudem eine neue Trainerin für das deutsche Team. Aber auch sie hat ganz klar formuliert, dass die Titelverteidigung das Ziel ist. Das Potential hat das Team. Mit den Partien gegen Schweden, Italien und Russland erwarte ich schon in der Gruppenphase spannende Spiele. Neben Deutschland gehören England und Frankreich zu den Favoriten.

Warum unterstützt Du die Aktion „Alkoholfrei Sport genießen“?

Es ist ja bekannt, dass Alkohol in Deutschland bei vielen Menschen gesundheitliche Probleme verursacht. Besonders Kinder und Jugendliche sind gefährdet. Oft werden ja schon in der Kindheit oder frühen Jugend die Weichen für eine Alkoholabhängigkeit gestellt. Als Diplompädagogin weiß ich, dass alle Erwachsenen, die Verantwortung für Kinder tragen, etwas dagegen tun können – auch in den Sportvereinen! Denn gerade Trainerinnen und Trainer sowie Übungsleiterinnen und Übungsleiter sind ja wichtige Vorbilder für Kinder und Jugendliche. Sie sollten vieles vorleben – auch einen verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol. Deshalb unterstütze ich die Aktion „Alkoholfrei Sport genießen“ und lade alle Sportvereine ein mitzumachen!

Ein verantwortungsvoller Umgang mit Alkohol im Verein – wie könnte so etwas aussehen?

Eine wichtige Grundlage dafür ist es, das Thema Alkoholkonsum im Verein als solches wahrzunehmen, darüber zu sprechen und die Vereinsführung und andere Vereinsmitglieder zu sensibilisieren. Es ist wichtig, ein Signal zu setzen und zu zeigen: Wir sind uns unserer Vorbildfunktion bewusst und stellen uns dieser Verantwortung! Unsere Aktion kann dafür den Anstoß geben. Deshalb für die nächste Veranstaltung die Aktionsbox bestellen und eine Aktion unter dem Motto „Alkoholfrei Sport genießen“ durchführen. Ich bin überzeugt davon, dass Vereine, die das Thema nachhaltig im Verein verankern, langfristig davon profitieren. Nicht zuletzt deshalb, weil das Ansehen steigen wird.

Du hast die Vorbildrolle erwähnt. Wie können denn Trainerinnen und Trainer oder Betreuerinnen und Betreuer in Sportvereinen dieser Rolle gerecht werden?

Kinder und Jugendliche beobachten Erwachsene ja sehr genau - auch wie sie mit den (meist legalen) Suchtmitteln wie Zigaretten und Alkohol umgehen. Natürlich sind hier Eltern, Großeltern und ältere Geschwister wichtige Vorbilder. Aber auch Trainerinnen und Trainer sowie Betreuerinnen und Betreuer im Verein. Sie sollten darauf achten, dass bei Wettkämpfen und Juniorenspielen niemand mit einer Bierflasche am Spielfeldrand steht. Und sie sollten Alkohol auch nicht als Trostspender nach einer Niederlage oder Belohnung nach einem Sieg einsetzen.

Im Sport spielt ja Alkohol durchaus eine Rolle. Ist Sport ohne Alkohol überhaupt denkbar?

Es stimmt, wie bei vielen anderen Anlässen in unserer Gesellschaft wird Alkohol auch beim Sport konsumiert. So wird auf Erfolge häufig mit Alkohol angestoßen und Niederlagen werden „hinuntergespült“. Sieg oder Niederlage, Jubel oder Enttäuschung – starke Gefühle sind ja beim Sport immer dabei. Wer schon als Kind oder Jugendlicher lernt, mit diesen Emotionen positiv umzugehen und insbesondere auch Rückschläge zu verarbeiten, ist auch später stark genug, Alkohol in seinem Leben nicht zur Frustbewältigung und Problemlösung einzusetzen. Und es geht ja auch gar nicht darum, Alkohol völlig aus den Vereinen zu verbannen! Niemand hat etwas dagegen, wenn Erwachsene mal ein Bier trinken. Es geht vielmehr darum, zu sensibilisieren, es geht um einen verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol. Und da können Vereine eine ganze Menge tun.

Lernen also Kinder und Jugendliche beim Sport mehr als Toreschießen, Weitspringen und Rolle rückwärts?

Auf jeden Fall! Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie wichtig eine Mitgliedschaft im Sportverein ist. Hier habe ich neben meinen sportlichen Fähigkeiten gelernt, wie ich mich in ein Team einfügen muss, wie ich Konflikte lösen kann und wie ich dadurch mein Selbstbewusstsein stärke. Diese Erfahrungen sind wichtig für Kinder. Sie lernen Regeln zu befolgen, sich einzuordnen, Teamgeist zu entwickeln, mit Niederlagen umzugehen und Erfolge gemeinsam zu feiern. Sportvereine sind gut dafür geeignet, Kindern solche Dinge zu vermitteln. Sie machen Kinder und Jugendliche stark!