Dennis Igelmann im Interview

Portraitfoto Dennis Igelmann

Bei der mittlerweile dritten Auflage des Hallenfußball-Wintercups der JSG Gemeinde Hinte im Februar 2018 war das Motto „Alkoholfrei Sport genießen“ bei allen Beteiligten „in Mark und Bein“ übergegangen. Im Interview berichtet der Geschäftsführer der JSG Gemeinde Hinte, Dennis Igelmann, von den durchweg positiven Erfahrungen, sich im Juniorenfußball für das wichtige Thema Alkoholprävention stark zu machen.

„Volle Akzeptanz und nur positive Erfahrungen“

Herr Igelmann, beim Hallenfußball-Wintercup in Hinte (Niedersachsen) spielen mehr als 50 Teams aller Junioren-Altersklassen. Wie kam es dazu, dass Sie für dieses Turnier das Motto „Alkoholfrei Sport genießen“ wählten? Fanden Sie Mitstreiter für diese Idee oder war die Entscheidung umstritten?

Im Sommer 2015 und somit zu Beginn der Planungen für die Turnierreihe des JSG Intersport Berkhahn Wintercups (Erstauflage 2016) haben wir erstmalig von dem Aktionsbündnis „Alkoholfrei Sport genießen“ erfahren und konnten uns im Gremium des Fördervereins der JSG Gemeinde Hinte e. V. unumstritten und schnell auf die Verwendung dieses Mottos einigen.

Unser Förderverein, der sich satzungsgemäß ausschließlich und unmittelbar gemeinnützigen Zwecken zum Wohle des Jugendfußballs in der Gemeinde Hinte widmet und sich im Jahr 2014 gegründet hat, hat nicht nur die Aufgabe, die über 200 männlichen sowie weiblichen Kinder, Jugendlichen und Trainer entsprechend auszurüsten und den Spiel- und Trainingsbetrieb zu gewährleisten. Unsere Aufgabe umfasst stückweise auch eine gesellschaftliche Verantwortung.

Als relativ kleiner Förderverein, der seine Mitglieder aus den Vorständen der angeschlossenen Sportvereine generiert und somit aus ehrenamtlichen Doppelfunktionären besteht, war und ist die Teilnahme am Aktionsbündnis eine bestreitbare Maßnahme, dieser Verantwortung gerecht zu werden und eine Problematik zu thematisieren, die im ländlichen Raum höchstwahrscheinlich gegeben sein könnte. Dabei fanden wir insbesondere die Informationen zur Kampagne „Alkohol? Kenn dein Limit.“, welche einen besonderen Blick auf die Risikogruppe der Jugendlichen zwischen 16-20 Jahren wirft, höchst relevant und realitätsnah, da hier der verantwortungsvolle Umgang mit Alkohol u. a. im Straßenverkehr oder in der Schwangerschaft vermittelt wird. Hier gilt es gemeinsam präventiv zu arbeiten.

Wie haben Sie das Motto beim Wintercup umgesetzt?

Bei der Umsetzung des Mottos „Alkoholfrei Sport genießen“ haben wir lediglich auf transparente Kommunikation gesetzt und auf vollumfängliche Akzeptanz bei allen Beteiligten gehofft. Zur transparenten Kommunikation dienten neben den zur Verfügung gestellten Medien der Aktionsbox natürlich mediale sowie visuelle Hinweise. So zierte das Motto-Logo deutlich sichtbar u. a. das Veranstaltungsplakat, Turnierinformationsblätter sowie die Preisaushänge der nicht-alkoholischen Getränke. Darüber hinaus wurde die Thematik in der Vor- als auch Nachberichterstattung der örtlichen Zeitungen aufgenommen und betont.

Eine weitere und ggf. die wichtigste Umsetzungsmaßnahme zur Akzeptanzschaffung kam der Moderation der einzelnen Turniere zu. Bereits zu Beginn der acht altersklassenspezifischen Jugendturniere wurde auf den Verzicht des Alkoholausschanks hingewiesen, um etwaig aufkommende Begehrlichkeiten nicht erst im Nachhinein enttäuschen zu müssen. In diesem Rahmen wurde betont, dass diese Maßnahme nicht einen beschneidenden Verbotscharakter haben, sondern vielmehr eine positive Vorbildfunktion für die Kinder und Jugendlichen ausstrahlen soll. Hierzu wurde auch auf alternative nicht-alkoholische Getränke, wie u. a. Fassbrausen, im Verkaufsfoyer hingewiesen.

Zur mittlerweile dritten Auflage der Turnierserie im Februar 2018 war das Motto bei allen Beteiligten „in Mark und Bein“ übergegangen, so dass nunmehr Nachfragen von Zuschauern zu dieser Thematik eigentlich kaum noch gegeben sind.


Für viele Fußballfans gehört Bierkonsum zum Spielbesuch. Zudem ist der Getränkeverkauf für die Fußballvereine oft eine wichtige Einnahmequelle. Wie haben die Zuschauer und Vereinsmitglieder auf Ihre Teilnahme an der Aktion „Alkoholfrei Sport genießen“ reagiert? Welchen Stellenwert hat der Jugendschutz in Ihrem Verein?

Grundsätzlich möchte ich bei dieser Aussage zunächst eine gewichtige Unterscheidung zwischen Senioren- und Juniorenfußball vornehmen und eher zum Letzteren Stellung beziehen. Im Juniorenfußball, wie u. a. im Rahmen der JSG Intersport Berkhahn Wintercups, gehört Bierkonsum nach unserem Empfinden nicht zum Spielbesuch. Diese Meinung vertreten wir allerdings auch schon seit mehreren Jahren und auch vor der Teilnahme am Aktionsbündnis „Alkoholfrei Sport genießen“. Vor diesem Hintergrund stellt sich im Bereich des Juniorenfußballs nicht die Frage der Einnahmequelle durch den Verkauf alkoholischer Getränke. Diesem Standing folgt die Minimierung des Veranstaltungsüberschusses, die wir für unsere gemeinnützigen Zwecke nutzen. Dies nehmen wir allerdings gerne in Kauf. Im Zusammenhang mit der transparenten Kommunikation als Umsetzungsstrategie haben wir tatsächlich nur positive Erfahrungen gemacht. Meines Wissens hat weder ein Teilnehmer noch ein Zuschauer die Veranstaltung verlassen, weil kein Alkohol ausgeschenkt wurde. Volljährliche Zuschauer, die zu den Turnieren der älteren Altersklassen an den Wochenendabenden Bier mit auf die Tribüne nehmen wollten, wurden auf das Aktionsbündnis hingewiesen und angewiesen, dies zu unterlassen. Auch hier: Volle Akzeptanz ohne lange Diskussionen!

Jugendschutz spielt in unserem Förderverein samt unserem übergeordneten Satzungsziel natürlich eine gewichtige Rolle, welche jedoch nicht so leicht umsetzbar ist wie es vielleicht anzunehmen gilt. Meines Erachtens ist dies mit den diversen externen Einflussfaktoren auf die Kinder und Jugendlichen begründet. Elterliche und gesellschaftliche Erziehung, Schule, Freundeskreis, Freizeitverhalten, Medienverwendung usw. können entsprechenden positiven als auch negativen Einfluss nehmen. Wir versuchen als Bestandteil des Präventionsganzen unseren Teil beizutragen. So wird z. B. bei allen angehörigen Sportvereinen des Fördervereins auf die strikte Einhaltung des Rauchverbots während des Jugendspiel- und Jugendtrainingsbetriebs auf unseren Sportstätten geachtet. Dies umfasst dabei auch die Verwendung von E-Zigaretten.

Aufgrund unserer positiven Erfahrungen mit „Alkoholfrei Sport genießen“ soll das Motto auch im Rahmen des 4. JSG Intersport Berkhahn Wintercups 2019 fortgesetzt werden.

Herr Igelmann, vielen Dank für das Interview und Ihr besonderes Engagement für das Aktionsbündnis!