Anke Apitz-Wegener im Interview

Portrait Anke Apitz-Wegener

Die 1. Vorsitzende des TV Uelzen musste Überzeugungsarbeit leisten, um das Thema Alkoholprävention in den Verein zu tragen.

„Ein Stich ins Wespennest“

Frau Apitz-Wegner, was waren Ihre Beweggründe, sich am Aktionsbündnis „Alkoholfrei Sport genießen“ zu beteiligen?

Ich habe in einer Sportzeitung einen Flyer zu dieser Aktion gefunden, der mich neugierig gemacht hat. Immer wenn ich etwas Neues entdecke, überlege ich, ob das was für meinen Verein wäre. Da unser Verein vorrangig ein Breitensportverein ist und Geselligkeit stets dazugehört, wir aber andererseits auch Leistungssportler und viele Kinder und Jugendliche als Mitglieder haben, dachte ich, es wäre sinnvoll, den Umgang mit Alkohol zu thematisieren. Deshalb habe ich einfach die Aktionsbox bestellt.

Wie gelang es Ihnen, Ihre Vorstandskollegen für die Teilnahme zu gewinnen – es waren ja nicht alle von Beginn an überzeugt?

Als die Aktionsbox da war, habe ich die Aktion mit dem vorhandenen Material meinen Vorstandskollegen/ -innen in der nächsten Vorstandssitzung präsentiert. Ich hatte zumindest mit verhaltener Zustimmung gerechnet und auf einige Vorschläge gehofft, wo und wie man die Aktion präsentieren könnte. Tatsächlich war es Ablehnung, fast ein Proteststurm der mir entgegen kam.

Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich habe dann kurz und sachlich dargestellt, weshalb ich die Aktion für sinnvoll erachte und meinen Vorschlag, die Aktion umzusetzen zurückgestellt („Wir müssen ja nicht, wenn Ihr nicht wollt.“). Offensichtlich hatte ich weniger auf sachlicher Ebene, sondern eher auf emotionaler Ebene in ein Wespennest gestochen. Ich hatte fast den Eindruck, als würden die Vorstandskollegen/ -innen glauben, ich würde den Alkoholkonsum generell verbieten wollen und ihnen und allen Mitgliedern den Spaß verderben.

Ich habe die Sache einfach erstmal ruhen lassen, fand die Aktion aber weiterhin gut. Erst ein halbes Jahr später, als die Vorbereitung zu unserer alljährlichen Großveranstaltung, dem Abendvolkslauf in Uelzen wieder in die heiße Phase trat, habe ich nochmals an die Aktion erinnert und vorgeschlagen, bei dieser Veranstaltung, bei der sehr viele Kinder und Jugendliche teilnehmen, eine Cocktailbar mit alkoholfreien Cocktails aufzubauen und das Infomaterial zu präsentieren. Gerade die jüngeren Vorstandsmitglieder konnten sich für die Idee begeistern und hatten viele gute Ideen, die Cocktailbar zu gestalten.

Als klar war, dass das bisherige Getränkeangebot inklusive Bier bei dieser Veranstaltung nicht ersetzt sondern ergänzt werden sollte, war die Zustimmung allseitig. Tatsächlich wird bei dieser Veranstaltung nur wenig Bier verkauft und die alkoholfreien Getränke sind selbstverständlich preiswerter als alkoholhaltiges Bier.

Wie haben Sie die Aktion beim Abendvolkslauf in Uelzen präsentiert und welche Resonanz gab es seitens der Teilnehmer und Zuschauer?

Wir haben unter einem Partyzelt eine Cocktailbar mit Tresen aufgebaut und das Banner aus der Aktionsbox quer vor den Tresen gehängt. Das Infomaterial lag auf dem Tresen aus und die Cocktails wurden sehr professionell zubereitet und mit Obst, das uns ein großer Supermarkt gesponsert hat, dekoriert. Die Bar war liebevoll dekoriert, es gab passende Musik, die jungen Damen hinter den Tresen hatten die Aktions-T-Shirts an und sogar „Hawaii-Ketten“ um den Hals. Das Interesse war entsprechend groß, denn unsere Cocktailbar war ein echter Hingucker. Auf diese Weise haben wir nicht nur die Aktion, sondern auch unseren Verein sehr gut präsentiert. Leider kam es während der Veranstaltung zu starken Regengüssen und Sturmböen. Deshalb mussten wir die Aktivität an der Bar vorzeitig abbrechen.

„Alkoholfrei Sport genießen“ wird 2018 fortgesetzt – sind Sie und der TV Uelzen wieder dabei?

In 2018 ist der TVU voraussichtlich weiter dabei, die Aktion umzusetzen. Das kleine Team, das die Cocktailbar organisiert hat, hat schon neue eigene Ideen dazu entwickelt, die wir noch nicht verraten wollen.